Gymnasium Petrinum



Theater im Petrinum

"Komödie der Eitelkeit"
von Elias Canetti
(Drama in drei Teilen)

Schülerinnen und Schüler der Oberstufe spielen Theater,

unter der Regie von Fritz Neuberger und Markus Vorauer.


   

 


Zum Stück
Entstanden 1933/34; Erstausgabe, Frankfurt/M.1950; Uraufführung: 6.2.1965 Braunschweig, Staatstheater. Österreichische Erstaufführung 1979.

Ein imaginärer Staat, in dem ein Gesetz gilt: Keiner darf ein Ebenbild schaffen. Bei Todesstrafe sind alle Bilder und Fotos, Spiegel und Gläser zu zerstören. Begeistert wirft das Volk den Tand der Eitelkeit ins Feuer. Jeder ist nun sich selbst gegenüber anonym. Das eigene Aussehen ist ihm unzugänglich. Die Sucht nach Selbstbestätigung schafft sich Ersatzmittel.
Ein Dienstmann findet als Schmeichler an der Straßenecke ein einträgliches Gewerbe. Ein Schwarzhändler vermietet zu Wucherpreisen einen kleinen Scherben, der für einen kurzen begehrlichen Augenblick das Spiegelbild zeigt. Erpresser und Denunzianten haben ihren großen Tag. Die Anhänger des Systems formieren sich in Funktionärskadern, die Scholle färbt sich braun... Um aus der Isolierung auszubrechen, um einen Blick, ein Wort zu erhaschen, verfallen die Menschen auf den absonderlichsten Ausweg:

"Die Leute lauern förmlich drauf, dass man ihnen was sagt über sie. Sie kennen sich ja gar nicht. Sie sehen sich nicht. Sie wissen nichts über sich. Kein Mensch, der sprechen kann, spricht mit ihnen. Drum legen sie sich ja bei Nacht auf die Straße, damit man über sie stolpert. So erzwingen sie sich Beachtung. Ausgehungert sind diese Menschen, unglaublich!"

Elias Canetti in einem Brief an den Literaturwissenschafter Gerald Stieg über die Österreich-Premiere von KOMÖDIE DER EITELKEIT im Jahre 1979(!!!):
"Es hat sich alles vor meinen Augen abgespielt, als wäre es für mich inszeniert worden. Es begann bei der Schlafzimmer-Szene der Kaldauns, mit einem schrillen, weiblichen Ausruf: "Schweinerei!" und steigerte sich zu einem Tumult während der Viertschaftssitzung im Hinterzimmer. Von da an bis zur Pause ging es ununterbrochen: "Aufhören! Vorhang! Unverschämtheit! Schweinerei!" Ganze Reihen verließen tobend das Parkett.... Ich bin noch heute davon überzeugt, dass es sich um eine organisierte Nazi-Affäre gehandelt hat, während viele Wien-Kenner der Meinung waren, es handle sich um einen Protest des alt-idiotischen Abonnements-Publikums."



Zum Autor
Am 25.Juli 1905 in Rustschuk (Bulgarien) geboren. Er stammt aus einer Kaufmannsfamilie spanischer (sephardischer) Juden, die auch in der Emigration ein mittelalterliches Spanisch als Muttersprache benutzen. 1911 Übersiedlung nach Manchester, 1913 - 1916 nach dem Tod des Vaters in Wien, dann Zürich, 1921 - 1924 Gymnasium in Frankfurt/M., 1924 - 1929 Chemiestudium mit Promotion in Wien. Er lernt Deutsch als Fremdsprache und wählt sie für seine literarischen Texte. Er arbeitet als Übersetzer (von Upton Sinclair für den Malik-Verlag) und freier Schriftsteller; Bekanntschaft mit Robert Musil und Hermann Broch. 1931 beendet er seinen Roman Die Blendung, der für großes Aufsehen sorgt. 1938, sieben Monate nach dem Einmarsch Hitlers, geht er über Paris nach London ins Exil. Lebt in den folgenden Jahren in Zurückgezogenheit in beengten Verhältnissen. Arbeitet bis 1960 an seinem Hauptwerk Masse und Macht. Auszeichnungen: 1967 Großer Österreichischer Staatspreis, 1972 Georg Büchner-Preis, 1981 Nobelpreis.


Darsteller

Die Personen des Stückes und ihre Darsteller (in der Reihenfolge ihres Auftretens
):

Der Ausrufer Wenzel Wondrak: Michael Hofinger (8.A)

Fräulein Mai: Nathalie Bouteiller-Marin (6.B)
Witwe Weihrauch: Kathrin Mayr (7.B)
Schwester Luise: Sigrid Skola (7.B)

Barloch (Packer): Sebastian Bauer (4.C)
Anna Barloch (seine Frau): Ursula Leitner (7.A)

Francois Fant (Sohn): Christian Eder (8.A)
Emilie Fant: Veronika Liebl (6.A)

Franzl Nada (ein alter Dienstmann): Ronald Hohl (4.C)
Franzi Nada (seine Schwester): Gudrun Hölzl (7.B)

Hansi: Katharina Pichler (5.B), Nicole Eder (4.A)
Puppi: Vanessa Rock (5.B), Lisa Kusché (7.B)
Gretl: Ulrike Mayr (7.B), Carina Klambauer (7.A)
Lizzi: Julia Tatschl (4.A)
Hedi: Annika Wolfsteiner (4.A), Elvira Loibl (4.A)
Lori: Verena Rosensteiner (5.B), Anna Ransmayr (7.B)

Fritz Schakerl (Lehrer): Stefan Kaineder (7.B)

Heinrich Föhn: Geza Wiedemann (5.B)
Leda Frisch: Julia Binter (7.B)

Egon Kaldaun: Thomas Esslinger (5.B)
Lya Kaldaun (seine Frau): Martina Landl (8.A)
Marie (Mädchen für alles): Elisabeth Kreil (7.A)
Kaldauns Einziges: Ronald Hohl (4.C)

Prediger Brosam: Robert Wakolbinger (4.C)

Therese Kreiss (Gemischtwarenhändlerin): Anna Schmuckermair (7.A)
Milli Kreiss (ihre Tochter): Elisabeth Bodenwinkler (7.A)
Fritz Held (Friseur): Friedrich Neuberger

Josef Garaus (Richter): Christoph Schöffl (4.C)

S.Bleiss (Schwarzhändler): Markus Vorauer

Regie: Friedrich Neuberger, Markus Vorauer
Technik: Markus Weixlbaumer (8.B), Stefan Wagner (8.A), Walter Gupfinger (7.B)
Haustechnik: Franz Leutgeb
Bühnenbild: Franz Haudum
Musik (Auswahl durch die Regisseure):
Laurie Anderson, Martin Todsharow, Lee Hazlewood, Ludovico Einaudi, Max Raabe, Marilyn Monroe, Smog, Zarah Leander, Wim Mertens, Mogwai
Brandschutz: Alois Dornetzhuber
Buffet: Matthias Kölbl (7.B)


Kundmachung

KUNDMACHUNG: Die Regierung hat beschlossen. Erstens: Der Besitz und Gebrauch von Spiegeln ist verboten. Sämtliche vorhandenen Spiegel werden vernichtet. Jegliche Erzeugung von Spiegeln wird eingestellt. Nach Ablauf von dreißig Tagen wird jeder, der des Besitzes oder Gebrauchs eines Spiegels überführt wird, mit Zuchthaus von zwölf bis zwanzig Jahren bestraft. Auf die Erzeugung von Spiegeln steht die Todesstrafe.

Eine Horde von bellenden Pavianen, mit grellroten Ärschen, Federn auf dem Kopf, Ringe in den Nasen, zieht durch die Straßen und verpestet die Luft.

Was ist das Spiegel? Papa, Mama, ist das schön, Spiegel? Bitte! Bitte!
Pfuikaka! Pfuikaka! Pfuikaka!

Augen ausstechen, meine Herrschaften, Augen ausstechen! Das einzige, beste Mittel, was hilft.

Der Sinn für alles Echte und Unverfälschte, für alles Makellose und Reine, für alles Unverlogene und Wahre muß wiedergeboren werden und wiedererstehen!

Kolossale Summen, ungeheure Gelder werden fortwährend und unaufhörlich verschwendet und vertan. Das Volk aber darbt und hungert.

Glauben Sie mir, mancher könnte Wirtschaftsführer sein, der es heute nicht ist.

Versuchen Sie Ihr Glück, treten Sie ein, treten Sie ein, der Mensch ist nicht immer ein Schwein, der Mensch kann auch ein Engerl sein...

Jetzt hat mir diese Person einen Fleck ins Braune gemacht. Was soll ich tun? Ins Braune einen Fleck. Egon, ich kann das Braune nicht anziehn.


Nichts fürchtet der Mensch mehr als die Berührung durch Unbekanntes.Man will sehen, was nach einem greift, man will es erkennen oder zumindest einreihen können.
(Masse und Macht)

Der Mensch hat die Weisheit all seiner Vorfahren zusammengenommen, und seht, welch ein Dummkopf er ist!
(Die Provinz des Menschen)

Man hat kein Maß mehr, für nichts, seit das Menschenleben nicht mehr das Maß ist.
(Die Provinz des Menschen)

Denn selbst die Friedlichsten unter ihnen haben einmal irgendwem Blut abgezapft, und die Geschichte schreit es getreulich zum Himmel.
(Die Provinz des Menschen)

Die Eigenschaften der Masse:
1. Die Masse will immer wachsen
2. Innerhalb der Masse herrscht Gleichheit
3. Die Masse liebt Dichte
4. Die Masse braucht eine Richtung
(Masse und Macht)

 



Organisation und Inszenierung

Regie: Fritz Neuberger, Markus Vorauer

Technik: Markus Ebner (Musik), Stefan Kaineder (Beleuchtung)
Bühnenbild: Franz Haudum
Grafische Gestaltung: Kurt Andlinger (Einladungen, Plakate)
Fundus/Installationen: Franz Mühllehner, Manuel Steidte (8b)
Musik: Renè Aubry, Ludovico Einaudi, Alessandra Martini, Moby, Tom Waits
(Auswahl durch die Regisseure)

 




Theaterproben
Wenn nicht anders angegeben, jeweils: Mittwoch 14.30 - 16.00 Uhr

 
TERMINE FOLGEN IN KÜRZE


Aufführungen

Ort:
Petrinum - Festsaal

  Termine: Freitag, 1. März 2002; 19.30 Uhr Premiere
  Montag, 4. März 2002; 19:30 Uhr
  Donnerstag, 7. Mäz 2002; 19:30 Uhr
  Freitag, 8. März 2002; 19:30 Uhr

(Freiwillige Spende)
 

Plakat

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