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1938 - 1945 |
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Der Einmarsch und die unmittelbaren Konsequenzen für das Petrinum
Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich am 12. März 1938 brachen für das Petrinum schwere Zeiten an.
Unmittelbar nach dem Einmarsch mußte man militärischen Einheiten Unterkünfte zur Verfügung stellen, bis zum Tag der Volksabstimmung wurde die deutsche Schutzpolizei einquartiert. Um die geforderten Räumlichkeiten bereitstellen zu können, war man gezwungen, die Studenten der ersten bis siebten Klasse nachhause zu schicken.
Erst als die Schutzpolizei das Gebäude geräumt hatte, konnte der Schulbetrieb am 24. April 1938 wieder aufgenommen werden.
Schon bald wurde erneut Anspruch auf Unterkunft für Militär erhoben, in Verhandlungen gelang es, etwa zwei Drittel der Räume für das Internat und die Fortführung des Schulbetriebes freizuhalten, während ein Drittel als Soldatenunterkünfte zur Verfügung gestellt wurde.
Alle Petriner Schüler mußten in der Folge der HJ (Hitler-Jugend) beitreten, wobei aber nur wenige von diesem Schritt überzeugt waren und der NS-Ideologie huldigten.
Die Aufhebung des Petrinums
Am 3. Juni 1938 kam vom Magistrat der Stadt Linz die Forderung, die Räume des Petrinums auf unbestimmte Zeit für die Befriedigung militärischer Quartieransprüche zur Verfügung zu stellen.
Am 23. Juli 1938 wurde den Privatschulen das Öffentlichkeitsrecht entzogen, das Petriner - Ansuchen um Wiederverleihung wurde am 25. August 1938 abgelehnt.
Für das kommende Schuljahr faßte man als "Exilorte" Schlierbach für das Untergymnasium und Wilhering für das Obergymnasium ins Auge, die Prüfungen sollten die Schüler an öffentlichen Schulen ablegen.

Aber auch diesen Plänen wurde ein Ende bereitet: Die Lehranstalt (Petrinum) wurde durch den Erlaß des Landesschulrates vom 9. September 1938 aufgehoben, "da die Erziehung der Jugend und die Führung der Lehr- und Erziehungsanstalten ausschließlich Aufgabenkreis des Staates und der Partei ist."
Damit gab es kein Petrinum mehr, und die Schüler mußten sich um Aufnahme in öffentliche Gymnasien bemühen!
Der nächste Schritt:
Enteignung des Petrinums
Am 24. März 1939 wurde Bischof Gföllner vom Landesstatthalter Strintfallen mitgeteilt, daß der Neubau einer technischen Hochschule in Linz - und zwar auf dem Areal des Petrinums und angrenzenden Grundstücken - geplant sei. Dem Bischof wurde nur die Wahl zwischen freiwilligemVerkauf oder Enteignung gelassen, wobei im letzteren Fall mit einem entsprechend geringeren Erlös für die Diözese zu rechnen war.
Der Bischof befaßte sofort die zuständigen diözesanen Vertreter mit der Sache, und es wurde einstimmig beschlossen, es auf eine Enteignung ankommen zu lassen.
Die Enteignungsverhandlung begann am 8. September 1939 im Amtsgericht Urfahr. Grundsätzlich war die Enteignung bereits verfügt, die Festsetzung des Enteignungspreises war aber zu verhandeln.
Am 29. Februar 1940 erfolgte das Enteignungserkenntnis des Landeshauptmannes von Oberdonau, als Entschädigungssumme wurden 1576888 Reichsmark festgesetzt.
Gegen die Höhe der Entschädigung legte der Diözesanhilfsfonds - vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Stampfl - Berufung ein, mit der Begründung, daß man für andere enteignete Bauwerke (im Bereich der Hermann Göring Werke) einen besseren Preis erhalten habe, zudem habe man noch 1937 Grundstücke zu einem höheren Kaufpreis dazuerworben.
Bis zur endgültigen Festsetzung der Entschädigungssumme wurde ein Mietvertrag - für unbestimmte Zeit- mit dem Oberfinanzpräsidenten von Oberdonau als Vertreter des Deutschen Reichsschatzes abgeschlossen.
Als am 27. Mai 1941 das Amtsgericht Urfahr die neue Entschädigungssumme mit einer Höhe von 2467579 Reichsmark festsetzte, wurde erneut Einspruch erhoben - an Stelle einer finanziellen Entschädigung forderte man jetzt einen Ersatz in Form von gleichwertigen Objekten. Eine daraufhin angebotene Erhöhung der Entschädigungssumme um 300000 - 400000 Reichsmark wurde wiederum abgelehnt.
Ende Oktober 1942 wurde der Mietvertrag von deutscher Seite gekündigt, am 28. Jänner 1943 aber wieder in der bisherigen Form verlängert, da das Enteignungsverfahren immer noch nicht abgeschlossen war.
Die Verhandlungen gingen weiter, ein Beschluß des Bezirksgerichtes Urfahr (19. Jänner 1943) wurde vom Landesgericht Linz wieder aufgehoben.
Baupläne für die technische Hochschule (siehe Bild) waren bereits vorhanden, aber an der Einbeziehung des Petrinums in den Komplex gab es aufgrund der hohen Adaptierungskosten bereits Zweifel.


Hitler vor dem Modell des "neuen Linz"
Am 30. September 1943 ließ Reichsbaurat Prof. Roderich Fick jedoch wissen, daß das Petriner Gelände für das Projekt unbedingt benötigt werde.
Ein neuer Sachverständiger - Baumeister Lang - wurde bestellt, das Gutachten verzögerte sich, Dr. Stampfl beantragte eine Unterbrechung des Verfahrens, der Oberfinanzpräsident verlangte die Ablehnung dieses Antrages. Dem Sachverständigen wurde eine neue Frist gesetzt - der 1. April 1945. Die Erledigung erfolgte bis Kriegsende nicht mehr! Nach Kriegsende wurde das Verfahren eingestellt und die Rückgabe des Petrinums eingeleitet.
Somit war es gelungen, das Petrinum im Eigentum der Diözese Linz zu behalten.
Die Verwendung des Petrinums während der Kriegsjahre
Ab 30. Juni 1938 war das Gebäude Unterkunft für das Kommando der 5. Division.
Ab Herbst 1939 waren Teile der Reichstatthalterei im Petrinum einquartiert, so
z. B. der Landesschulrat, das Landesarbeitsamt, eine Unterabteilung des Landwirtschaftsministeriums usw. . Da man mit den bestehenden Räumen kaum das Auslangen fand, wurden auch diverse Um- und Zubauten durchgeführt. Einzig die Volkskapelle diente nachwievor ihrer eigentlichen Bestimmung - betreut von Monsigniore Dr. Strigl.
Während der Kriegsjahre wurde das Petrinum Standort der militärischen Flakbeobachtung. Trotz der exponierten Lage des Petrinums und dieser militärischen Funktion wurde das Petrinum von Bombentreffern verschont und damit vor Zerstörungen bewahrt. Nur das Sommerbad wurde am 15. November 1944 durch eine Bombe zerstört, und die Fensterscheiben waren großteils zerbrochen.
Als die Alliierten im Februar 1945 heranrückten und das Kriegsende nahte, wurde das Gebäude - wie im Ersten Weltkrieg - in ein Kriegslazarett umfunktioniert.
Nach dem Einmarsch der Amerikaner blieb die Verwendung als Kriegslazarett aufrecht, als sich die Amerikaner aber von der nördlichen Donauseite zurückzogen und die Russen kamen, wurde das Gebäude von allen Insassen fluchtartig verlassen.

Die Studentenkapelle als Abstellraum
Am 31. Juli 1945 nahmen die Russen Quartier im Petrinum, wobei im Südtrakt erneut ein Lazarett eingerichtet wurde, während in den übrigen Teilen der Stab untergebracht wurde.
Überraschend wurde das Gebäude aber bereits am 29. Juni 1946 von den Russen geräumt.